Hans Günter Focken Ratsmitglied und Sozialausschussvorsitzender Informiert

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Am 1.September begingen wir auch in diesem Jahr den „Antikriegstag“. Seit 70 Jahren leben wir hier in Europa in Frieden miteinander. Durch kriegerische Auseinandersetzungen in anderen Gebieten sind zur Zeit rund 60 Mio. Menschen weltweit auf der Flucht.

Hans Günter Focken


Vom 01.01. bis 31.07.2015 kamen rund 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Ein Großteil davon aus Syrien, Albanien und dem Kosovo. Nach der Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird sich die Anzahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende auf ca. 450.000 bis 800.000 erhöhen. Voraussichtlich wird diese Prognose jedoch deutlich übertroffen werden. Die Flüchtlinge bzw. Asylsuchenden werden mit Hilfe eines bundesweiten Verteilungssystems vom Bund auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Nordrhein-Westfalen nimmt nach dem Königsteiner Schlüssel rd. 21,2 Prozent der Flüchtlinge auf. Tatsächlich kommen jedoch deutlich mehr Personen in Nordrhein-Westfalens an. Flüchtlinge, die über die Aufnahmequote hinaus die Erstaufnahmeeinrichtungen, kurz EAE genannt,  des Landes aufsuchen, müssen von hier aus in andere Bundesländer weitergeleitet werden. So kamen bis Ende Juli insgesamt bereits 90.000 Flüchtlinge in die EAE in NRW. Wöchentlich sind es derzeit mehr als 5.000 Menschen, die hier in den Landeseinrichtungen untergebracht werden müssen. Aktuell verfügt NRW über ca. 21.500 Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen, zentralen Unterbringungseinrichtungen und einer Vielzahl von Notunterkünften. Seit 2012 (1.800 Plätze) wurden die Regelkapazitäten durch das Land verfünffacht, die Gesamtkapazitäten betragen das Zwölffache. Die Zentralen Unterbringungseinrichtungen verfügen aktuell über insgesamt ca. 7500 Plätze, die Notunterkünfte über ca. 12.000 Plätze.
Vor diesem Hintergrund kann man sehen, dass sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten nicht verbessern wird. Für Meerbusch heißt das, wenn wir die Notaufnahmestelle nicht mehr im Stadtgebiet haben, werden uns neue Flüchtlinge zugewiesen, die in Meerbusch ein Dach über den Kopf haben müssen.
Nach diesen Zahlen und Fakten möchte ich mich bei allen Meerbuscherinnen und Meerbuschern im Namen der Menschlichkeit bedanken. Das was hier in den letzten Wochen von den Ehrenamtlichen, den Hilfsorganisationen, den Wohlfahrtsverbänden, den Kirchen und der Meerbuscher Stadtverwaltung geleistet wurde, hat alles übertroffen was ich jemals erlebt habe. Durch diesen unermüdlichen Einsatz ist es gelungen so manches Strahlen in Kinderaugen und  in die Augen von Erwachsenden zu zaubern. Ich bin  von der gezeigten Herzlichkeit und von der Spendenbereitschaft der gesamten Meerbuscher Bevölkerung überwältigt.
Ich bin stolz ein Meerbuscher zu sein.
Zum Schluss ein kleines persönliches Erlebnis:
Bei meiner Tätigkeit im Pappkarton kam ein kleines Mädchen, höchsten 6 Jahre alt auf mich zu und hielt mir einen Karton mit drei Kuscheltieren hin und sagte: „Die sind für die Kinder, damit sie wieder was zu kuscheln und zum lachen haben“.  Dieses kleine Mädchen hatte drei ihrer heißgeliebten Kuscheltiere mit einem lächelndem Gesicht abgegeben um andere Kinder glücklich zu machen. Dies ist wahre Menschlichkeit.
Vielen Dank an alle Helferinnen und Helfer.